Kann ein Löwe nur in München brüllen ?

Während die Löwen Woche für Woche weiterhin Sieg- und meist auch Punktlos bleiben, widme Ich mich einer Frage welche mich schon früher desöfteren mal beschäftigt hat, und welche gerade jetzt wieder durch die jüngsten Ereignisse stärker in meinen Fokus tritt.

Und zwar !

Muss man als „echter Löwe“ Münchener sein und/oder in München leben ?
Mir ist in der Vergangenheit schon häufig aufgefallen, das man als „Löwe von außerhalb“ im Stadion wie auch auf diversen Online-Plattformen leicht von „oben herab“ und als „nicht richtiger Sechzger“ behandelt wird.
Klar, der „TSV München von 1860“ ist ein Traditionsverein der tief in München verankert und verwurzelt ist, und gerade diese Nähe und dieses regionale ist ja auch eines von vielen Merkmalen welches uns vom großen auf der ganzen Welt durch gezieltes Marketing bekannten FC Bayern unterscheidet.
Während die Stars der Roten durch fremde Länder tingeln und Autogramme geben um auch dort den Menschen den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen um ihn auf ihrem ständig kommunizierten „Festgeldkonto“ zu bunkern, grillen unsere Spieler am Trainingsgelände Steaks und Würstchen mit den Löwenfans.
Jenes möchte ich auch in keinster Weise schlecht reden, kritisieren, oder gar ändern.
Dennoch finde ich, sollten sich einige Fans mal selbst die Frage stellen, ob der Mensch, der da neben Ihnen in der Kurve steht und genauso schreit, verzweifelt und mit 0 Punkten heim geht, nicht genauso Löwe sein kann wie er selbst, auch wenn er nicht mit der S-Bahn nach dem Spiel gemütlich in 15min. zum Sofa Heim fahren kann, sondern drei, vier, oder sogar 500km im Auto, Bus, oder Zug sitzen muss bevor er wieder Zuhause ist.

Speziell als Kind oder Jugendlicher ist es in meinen Augen sogar eine wesentlich größere Leistung, wenn man fern vom Trainingsgelände, seinen Idolen, dem Fanshop, und vor allem fern von anderen die den gleichen Verein unterstützen Löwe wird, es bleibt, und es herausbrüllt.
Ich komme gerade jetzt auf dieses Thema da ich selbst vor kurzem umgezogen bin, leider nicht näher nach München, aber auch nicht viel weiter weg, um genau zu sein ein Dorf weiter als mein jetziger Wohnort.

IMG_3337Das erste was in der neuen Wohnung aufgehängt wurde ;D

Lange war ich mir jedoch sehr unklar darüber, ob ich diese Wohnung beziehen soll, selbst als ich den Mietvertrag schon unterzeichnet hatte, hatte ich noch leichte Zweifel ob das die richtige Entscheidung war.
Tja, die Löwen und Mietverträge, hätten die damaligen Funktionäre unseres geliebten TSV ebenso lange überlegt, wer weiß, vielleicht wäre uns das leuchtende Ufo in der tristen Einöde Fröttmannings erspart geblieben.
Egal, zurück zum Thema, und zwar, sah ich ca. 10 Tage später in meinem neuen Wohnort auf einem Parkplatz ein Auto mit „1860“ als letzte vier Ziffern auf dem Kennzeichen, dass das kein dummer Zufall sondern ein Löwenfan war, darüber war ich mir zu 100% sicher und damit auch ganz plötzlich und unterbewusst über meine Wohnungs- und speziell meine Wohnortauswahl.
Ich sah und sehe es als eine Art „Zeichen“, und dass lustigste daran, vor kurzem stand ein Auto mit demselben „1860“ auf dem Kennzeichen direkt gegenüber meiner Wohnung.

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Doch das ist noch nicht genug der magischen Zahl, zwischen diesen beiden Geschehnissen sah ich eindeutige „Löwenautos“ auch noch auf dem Baumarktparkplatz, sowie auf einem Lieferantenfahrzeug in meiner Firma.
Das zeigt doch eindeutig, aIMG_3365uch jetzt wo mal wieder alles Scheiße läuft (wie eigtl. schon seid 10 Jahren) gibt’s dennoch überall in Deutschland Löwenfans die weiter treu zum Verein stehen, die weiter den Löwen im Herzen tragen und jenes mit Stolz tun.

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Genau das ist es doch was einen Löwenfan ausmacht, seine Treue und seine Hingabe zum Verein, seinen Stolz Teil des Löwenrudels zu sein, und keine Angst zu haben dies auch zu zeigen, egal wo, und jederzeit !

Sowas geht natürlich und zum Glück weit über Stadt oder auch Landesgrenzen hinaus und hier möchte ich noch speziell auf die „Flüchtlingsaktion“ beim Heimspiel gegen RBL eingehen.
Auf die allgemeine Flüchlingsproblematik oder politische Grundsatzdiskussionen möchte ich hierbei verzichten, über die Flüchtlinge wird schon genug berichtet, geschrieben(gehetzt), und ich bin auch eher gegen Politik in Fussballstadien.
Dennoch, möchte ich dem Organisator der Aktion meinen tiefsten Respekt und meinen Dank aussprechen, genau das ist es was diesen Menschen wirklich hilft, nicht lange große Reden schwingen, sondern handeln, mit einfachsten Mitteln konnte so ganz einfach und schnell geholfen werden.
Die Aktion, bei der Fans der Löwen ein zweites Ticket oder auch mehrere Tickets zusätzlich kaufen und somit kostenlos für einen Flüchtling bereitstellen konnten, war eine geniale Idee und großartige Werbung für den TSV, für den Sport, für die Menschheit.
Denn genau das ist doch etwas was diesen Sport mituner in gewisser Weise auch so toll macht, in der Kurve gibt es kein hässlich oder schön, kein dick oder dünn, kein reich oder arm, kein groß oder klein und ganz besonders kein schwarz oder weiß, in der Kurve gibt es nur EIN „Löwe“….
Speziell dass die Fans dann alle zusammen mit den Flüchtlingen in der Arena standen, es gibt doch kaum bessere Arten der Integration als zusammen bei einem Löwenspiel mitzufiebern.
Zum Spiel selbst möchte ich in diesem Beitrag jetzt mal nichts schreiben, das kommt dann mal noch an anderer Stelle.
Hier möchte ich mich jetzt bei allen beteiligten Ticketspendern, beim Organisator, und bei den vielen Firmen welche die Anzahl der gespendeten Tickets nochmal großzügig aufrundeten bedanken.
Diese Aktion ist es mir sogar Wert etwas zutun was man als Löwe eigentlich gar nicht kann, ich möchte es dennoch versuchen und über meinen Schatten springen, ich möchte mich hiermit ebenso bei den Bayern Fans welche wie Ich aus einer Zeitung erfuhr die Aktion der Löwen gut fanden und kurzerhand Tickets des verhassten und „erstgeborenen“ Nachbarn geordert, und für Flüchtlinge bereitgestellt haben danken.
Wahnsinn was dieser Sport bewirken kann wenn man die ganze Rivalität mal für einen klitzekleinen Moment ausblendet und erkennt dass es auch noch größere und wichtiger Probleme (wenn auch wenige) auf dieser Welt gibt als welche von zwei Mannschaften ein Ballspiel gewinnt.
Meinen tiefster Respekt an diese Personen und ein fettes Danke, Ihr speziell habt dafür gesorgt dass diese Aktion einzigartig und ganz ganz „GROß“ war.

Genug der warmen Worte !

Scheiß FC Bayern !!!

Aus der Aktion erhoffe ich mir eine Vorbildfunktion für weitere solche Aktionen, ein Zeichen für die Gesellschaft und hoffentlich ein paar neue Fans des TSV München von 1860.

Für die Flüchtlinge hoffe ich, dass Sie diesen Tag trotz ihrer Probleme ein wenig genießen konnten, dass Sie Spaß am Spiel hatten, dass Sie sich wohl und integriert im Löwenrudel fühlten und dass Sie in Zukunft ein normales Leben führen können.

Um ein „echter Löwe“ zu sein, muss man nicht aus München kommen oder dort leben.
Wenn man diesen Verein mit Freude und voller Stolz bejubelt, anfeuert, mit ihm trauert, leidet, und immer hinter Ihm steht, dann ist man ein „echter Löwe“ !!!

Ganz egal, ob in München, in Berlin, in Hirschhorn oder eben zukünftig vielleicht vermehrt in Syrien.

Ach ja, ich wollte zwar das Thema Politik weglassen, aber es brennt mir so dermaßen unter den Nägeln, deswegen.
An alle Flüchtlingshasser, Flüchtlingsgegner, und speziell die „Ich hab ja nichts gegen die Menschen, aber“ Fraktion.
Denkt mal darüber nach was Ihr tun würdet wenn hier Krieg wäre, wie dankbar Ihr für ein helfendes Land und eine helfende Hand wäret, und vor allem, was Ihr alles tun würdet um eure Kinder vor den Gefahren eines Krieges zu schützen.

Denkt an die letzten Monate zurück und überlegt mal:
Braucht mein Kind denn wirklich dass neueste Smartphone ?
Braucht mein Kind eigentlich wirklich das 2285te Löwentrikot um es in den Schrank zu hängen ?
Könnte ich mit diesem Geld einem Flüchtling nicht besser was zu essen, trinken oder anziehen kaufen ?
Würde sich ein Flüchtlingskind vielleicht nicht viel mehr über ein altes Löwenshirt meines Kindes freuen als selbiges über dass xte Löwentrikot ?
Diese und ganz sicher noch einige weitere Fragen sollte man sich vielleicht mal stellen, bevor man eine hirnlose Parole raushaut.

Jenes sage ich als jemand der selbst nicht zu den „Großverdiener“ zählt und auch sehr gut weiss, dass es in Deutschland selbst, viele Menschen gibt die auch Hilfe benötigen und am Existenzminimum leben.

Der Appell geht speziell an die, welche nicht jeden Monat ein neues Smartphone kaufen zu können als „zu geringen Lebensstandard“ und Existenzminimum ansehen, und von denen gibt es in diesem Land eine ganze Menge.
Diejenigen die in Wirklichkeit nämlich nicht Angst vor der Gewalt oder der Folgen auf die Wirtschaft durch die Einwanderer haben, sondern fürchten eventuell dadurch Ihren definitiv viel zu hohen Lebensstandard zu verlieren, PUNKT !

Ein geniales Lied von einer genialen Band, von der hier sicher noch öfter zu lesen sein wird hier verlinkt.
Die Toten Hosen – Willkommen in Deutschland

Es trifft einfach perfekt den Punkt und das obwohl es schon vor über 20 Jahren geschrieben wurde.

und deswegen ganz besonders,

lebe als Löwe, jederzeit und überall, bis zum bitteren Ende !

Denn Löwen können überall brüllen, allerdings sind Sie nur im Rudel stark !

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von Anders Noren.

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