Ist der Löwe noch „Groß“ ?

Tja, wer von uns Löwenfans kennt es nicht, das ständige gerede über den „schlafenden Riesen“ TSV München von 1860, welches tagtäglich in unterschiedlichsten Art und Weisen von allen möglichen Vereinsfunktionären oder selbsternannten Experten geäußert wird.
„schlafender Riese“, „großer Traditionsclub“, „gefühlter Erstligist“, „Zuschauermagnet“, dies alles soll unser einst so glorreicher TSV sein, zumindest rein theoretisch.
In Wirklichkeit jedoch steht der „Club mit dem enormen Potential“ mit einem Bein in der dritten Fussball Bundesliga, die Kassen sind leer, alles was noch einen auch nur noch so geringen Wert hat wurde bereits verkauft, anstelle von frenetischen Fans sind die meisten Arenaplätze mit Abdeckplanen besetzt und der Verein dümpelt antriebs- wie auch philosophielos durch die Jahre.


Wenn dann wie vor kurzem ein Gegner wie der Brauseclub aus Leipzig kommt, welcher durch Millionen eines Österreichischen Brausemischers künstlich angelegt und in kürzester Zeit hochgezogen wurde, kann man sich als Fan der Löwen schon mal die kritische Frage nach der heutigen wahren Größe des TSV München von 1860 stellen.
Sind wir in Wirklichkeit nicht schon längst ein Verein der abgehängt von neureichen oder eben (man muss es leider sagen) Vereinen mit einem sinnigen Konzept genau da steht wo er auch mittlerweile hingehört ?!
Diese Gedanken gingen mir teilweise während und größtenteils nach dem Spiel gegen RBL durch den Kopf.
Das Spiel verfolgte ich Zuhause am Laptop und war durchaus positiv überrascht wie wacker unsere Jungs gegen die Millionentruppe kämpften und am Ende sogar einen weiteren mehr als verdienten Punkt einfuhren.
Das dieser Punkt die Zeit von Thorsten Fröhling als Löwentrainer nicht unbedingt verlängern würde, war natürlich klar, jedoch war ich persönlich sehr zufrieden damit.
Meine Hoffnung die ich auch hier auf meinen Blog geäußert hatte, nämlich eine junges, eingeschworenes, durch den Klassenerhalt zusammengeschweißtes Team, welches sich mit aller Macht und allem was es hatte gegen den Abstieg stemmte schien sich zu erfüllen.
Und wenn man durch ein durchaus gut herausgespieltes 2:2 der beiden Junglöwen Wolf und Vollmann einen Punkt gegen den selbsternannten „Bayernjäger“ holt vergisst man als Löwe eben schnell mal den weiterhin so düsteren Tabellenstand.

Dieser wurde allerdings kurze Zeit später durch ein schon deutlich weniger erfreuliches unentschieden auf der Bielefelder Alm knallhart zurück in die Gedanken der Löwenfans katapultiert.
Zufälligerweise spielte am selben Tag mein „OFM-Team“ mit dem Namen „EinsAchtSechsNull“ welches ich seid nunmehr gut drei Jahren versuche in die Profiligen des durchaus unterhaltsamen Managerspiels zu führen ein Freundschaftsspiel gegen einen vermeindlichen Bielefeld Fan.

Bildschirmfoto vom 2015-10-02 06:12:24
Leider zogen die „echten Löwen“ nicht nach :/

Ich (blauäugig wie ich bin wenn es um die Löwen geht) sah in diesem Sieg auf der Online Plattform direkt ein Zeichen und wettete kurzerhand meine letzten verbliebenen Bwin Kröten auf einen Löwensieg.
Dass Ende ist bekannt und damit endet fürs erste auch meine „Bwin-Karriere“ da ich in Zeiten von Umzug und Wohnungseinrichten keinen finanziellen Spielraum für Sportwetten habe. (Wie überaus vernünftig ich doch geworden bin). ;D
Auf den einschlägigen Online Plattformen kippte die bis dahin ziemlich positive Stimmung so langsam und so war es nicht sonderlich verwunderlich dass ein paar Tage später die Trennung von Thorsten Fröhling bekannt gegeben wurde.
Die Entscheidung war aufgrund des erschreckenden Tabellenbildes und der anhaltenden Sieglosigkeit sicher legitim, dennoch kam Sie für mich eindeutig zu früh und enttäuschte mich speziell dadurch, dass mit Benno Möhlmann ein Trainer als Nachfolger geholt wurde, welchen ich bis dato nie als sonderlich sympathischen Zeitgenossen wahrgenommen hatte.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei Thorsten Fröhling bedanken.
Danke dass du uns Löwen vor dem sicheren Abstieg in Liga 3 bewahrt hast.
Hätte definitiv nicht jeder Trainer geschafft.
Und Danke dass du gegen jeden Widerstand ein ehrliches, sympathisches und kämpfendes Löwenteam aus einem Haufen sich selbst überschätzenden, lustlosen Alibikickern gebaut hast welches mich speziell bei den Spielen gegen den Club und gegen die Bochumer aufgrund der starken Leistung häufig die Augen vor Ungläubigkeit reiben ließ.
Wäre interessant gewesen zu sehen was Thorsten Fröhling erreicht hätte, hätte der TSV einmal in seiner langen vom Chaos geprägten Geschichte einen Funken Kontinuität und Geduld gezeigt.
Tja, ich könnte jetzt einen dummen Spruch mit „hätte“ bringen, aber mir fällt gerade keiner ein, weswegen ich direkt zu meinem nächsten beiden Laptopspielen weitergehe.
So sicher wie das Amen in der Kirche verpasste der TSV natürlich als einziger Fussballclub auf dem gesamten Planeten den „Trainereffekt“ und verlor sang und klanglos gegen Karlsruhe und auch gegen die Spvgg Greuther Fürth.
Wobei speziell erwähnt werden muss dass natürlich ebenso sicher wie das Amen in der Kirche der TSV gegen die Fürther welche sich in den beiden Spielen zuvor sage und schreibe 10 Gegentore eingefangen hatten, torlos blieb.
Wirklich erschreckend war allerdings dass die kämpfende und als Team agierende Jungendtruppe welche sich unter TF so langsam zu einer Remismannschaft entwickelte völlig ideenlos, planlos und fast chancenlos verlor und in ihrem Auftreten deutlich an die Spiele der Vorsaison erinnerte.
Über diesen Schock konnte mir speziell nach dem Fürth Spiel nur eine komplette Packung Oreo Kekse sowie eine Packung Pringels hinweghelfen welche ich in ca. 15 Minuten direkt im Anschluss an das Spiel in Schockstarre vertilgte.
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Sich so langsam mit dem Abstieg abfindend und mit einem unguten Gefühl im Magen, ging ich an diesem Freitag ungewöhlicherweise direkt im Anschluss ans Spiel und die darauffolgende Schockfressattacke ins Bett und mir schauderte schon davor wie sich die Löwen am darauffolgenden Dienstag beim Erstligisten in Mainz wohl filetieren lassen würden.
Die Karten für dieses Spiel lagen schon eine ganze Weile bei mir Zuhause und da mein Kumpel nach längerem hin und her dann doch wie immer wenn man Ihn braucht am Start war, hatte ich trotz der Angst abgeschossen zu werden den ganzen Montag und Dienstag enorme Laune auf die Löwen, auf Fussball, auf eine Löwenkurve und nach langer Zeit ohne Liveerlebniss, auf Löwengebrüll.
Aufgrund der enormen Verpeiltheit von uns zweien musste dieses Löwengebrüll allerdings auf 19:20 Uhr verschoben werden.
Er kam aus Stuttgart und ich aus der Nähe von Heidelberg zum abgemachten Treffpunkt am Mannheimer Kreuz, schon weit hinter dem Zeitplan an.
Er musste länger arbeiten und ich versank in meinem eigenen Chaos aus neuer Wohnung, neuem Job, und einem sich fast endlos ziehendem Umzug.
Nachdem ich das schon beim Umzug verloren geglaubte BL11 Glückstrikot in meinem Auto gefunden hatte, sowie nach langer Suche auch noch tatsächlich die Tickets sowie zwei Schals welche sich komischerweise in einem mit „Küche“ beschrifteten Karton befanden fand, war ich zumindest schonmal im Auto, als, ja als, mich leicht irritierte Blicke der beiden im anfahrenden „Küchenmöbellkw“ befindlichen Männer trafen.
Welche eigentlich eine halbe Stunde früher hätten bei mir aufschlagen und die Küchenteile anliefern sollen.
Leicht genervt aber höflich bittete ich Sie darum die ganze Sache schnell abzuwickeln und stellte mich sogleich als „Möbelpacker“ zur Verfügung.
Bereits 15 Minuten später war ich, der Möbelpacker der Jahres, der mit kleineren Teilen die Treppe herunter rannte und von den Lieferanten nur noch ungläubig angestarrt wurde komplett aus der Puste aber mit zwei Erfolgswünschen der Lieferanten, endlich abfahrbereit in meinem Auto auf dem Weg zum Treffpunkt.
Als sich dann kurz vor Mainz noch eine blinkende Tankleuchte zu diesem Tag gesellte, war ein ähnliches Chaosniveau wie unsere damalige „Düsseldorfpokalfahrt“ erreicht.
Allerdings, lachen und erzählen wir heute noch von und über diesen kurzentschlossenen Trip, welcher damals an einem Dienstag Mittag begann und erst am Mittwoch um 6:00 Uhr Morgens direkt vom Spiel zur Stempeluhr in der Firma endete.
So waren wir auch als wir erst um circa 19:10 Uhr zum Stadion stapften und schon da vom 1:0 erfuhren nicht sonderlich geschockt, wir hatten Bock, Bock auf die Löwen und einen unvergesslichen Abend.
Dieser endete zumindest für mich fürs erste jedoch schon bei einem durchaus freundlichen Securitiy, der aber leider einfach nicht kapieren wollte dass das in meiner Geldbörse Geldscheine für eine Küche die heute angeliefert, morgen aufgebaut und direkt danach Bar bezahlt werden muss und keine Aufkleber welche ich zum „verschönern“ der Stadiontoiletten benutzen würde waren.
Er schien es partout nicht glauben zu wollen dass jemand tatsächlich dämlich genug war, mit so einer großen Menge Bargeld im Geldbeutel in der Weltgeschichte und speziell in einem randvollen Stadionblock herumzuspazieren.
Nachdem ich dem trotz meiner Erläuterungen immer noch ungläubig dreinblickenden Security ungefähr jeden Geldschein in meinem Geldbeutel vorgezeigt hatte, ließ er mich tatsächlich leicht verstört und kopfschüttelnd endlich durch dass Drehkreuz in den prallgefüllten Löwenblock.

Die Stimmung in selbigem war trotz 1:0 gut, elektrisierend und steckte sofort an, noch nicht mal an einem für längere Stehdauer geeignetem Platz angekommen wurde schon gehüpft und gesungen was dass Zeug hielt.
Ich war da, endlich wieder live dabei, im Löwentumult, Mittendrin, fern von allen vereinspolitischen Fehlentscheidungen, fern von all dem Chaos, fern vom tristen Zweitligaalltag, ich hatte Bock, Bock auf Löwengebrüll, Bock auf einen Pokalfight, Bock auf Löwenbeute, Bock auf bedingungslosen 70 minütigen + X dauernden Dauersupport.
Und eines wurde mir da so langsam bewusst und spätestens als nach exakt SECHZIG gespielten Minuten die Fans „mit Leib und Seele“ aus vollen Kehlen sangen war es glasklar,  ja, vielleicht hat der TSV kein „Anrecht“ mehr darauf Erstligist zu sein, ja, vielleicht hat der TSV zu viele fatale Fehler gemacht um noch bei den „großen“ mitzuspielen zu denen wir zweifellos einmal gehörten, ja, vielleicht ist der TSV (chronisch Pleite und von Retorten- und biederen Langweilerclubs abgehängt) kein „großer“ mehr.
ABER !
Es gibt da noch was großes, wenn nicht sogar gewaltiges beim TSV und das muss jeder anerkennen auch wenn er keine „blaue Brille“ trägt.
Nämlich,
Löwentum !
Ja, genau, Löwentum !
An einem verdammten Dienstagabend stehen da circa 2000 Löwen um 18:60 (der ein oder andere etwas später ;D) in einem über 400km entfernten Fanblock und geben ALLES für einen Verein der seid 10 Jahren alles falsch macht, kein Fettnäpfchen auslässt und in der jüngsten Vergangenheit eine fast schon einzigartige Sieglosserie vorzuweisen hat.
ICH WAR PLATT !
ÜBERWÄLTIGT !
Und als dann noch Okoties Tor (welches ich bejubelte ohne es gesehen zu haben, da ich aufgrund meiner Sicht nur einen an den Ball heranfliegenden Österreicher sah, nicht aber wie der Ball seinen Weg ins Tor fand) alle Dämme in der Kurve brachen und feiernde brüllende Löwen mit einem wütenden „Sechzig“ „Sechzig“ die Arena beben ließen wusste ich meine Frage beantwortet.
JA !!!!!
Der TSV ist noch immer „groß“, vielleicht müssen wir uns fürs erste von dem Gedanken „Erstligist“ verabschieden, aber unsere Fankurve, unsere Leidenschaft, unser Löwentum, gehört definitiv zu den ganz ganz großen Vereinen dieser Nation, dieser Welt, dieses Universums.
Diese Erkenntnis war so eindeutig und unverkennbar als ich circa 5 Minuten nach dem Führungstor vollgespritzt mit Bier und Apfelsaft und schwer am Luft holen da in der Kurve stand und hoffte dass das Löwenteam diesen Abend krönte und sich für seine aufopferungsvolle Leistung belohnte.
Und die Mannschaft hielt mit ein wenig Glück tatsächlich durch und konnte so zusammen mit den mittlerweile völlig enthusiastischen Fans die Sensation mit einem lauten „Einmal Löwe immer Löwe“ in den Mainzer Nachthimmel brüllen.
Der Wahnsinn und der Charme dieses Vereins ließ sich hier in kürzester Zeit auch ganz gut erkennen, indem man den teilweise völlig überschwänglichen Fangesängen aufmerksam lauschte. Die Fans eines Vereins der mit mehr als einem Bein in der dritten Liga steht sangen circa zehn Minuten lang „wir holen uns den Pokal“ und „und Ihr wollt erste Liga sein“ und wenn man den Gesprächen der Löwen nach dem Spiel in der Kurve, oder auf dem Weg aus dem Stadion zuhörte, hörte man eines sehr häufig, sehr sehr viele wünschten sich mit aller Macht den FCB als nächsten Pokalgegner herbei.
Größenwahn und verlorener Realitätssinn könnte im Duden durchaus als TSV München von 1860 zu finden sein.
Doch ist es nicht unter anderem auch genau das was diesen Verein so unfassbar genial, unberechenbar, und interessant macht !?
In Sachen Größenwahn sind wir definitiv die Größten, und ganz sicher werden wir eines Tages auch sportlich wieder einer der „Großen“ sein, und speziell dieser kleine Junge auf dem Foto, der mich während des Spiels desöfteren zum schmunzeln brachte, als er inmitten von Mainzern (welche zugegeben nicht gerade als feindlich oder aggressiv gelten) eine Löwenfahne zückte und begeistert so hoch wie er nur irgendwie konnte reckte,  zeigte, rotzfrech, dass man als Löwe nicht unbedingt „Groß“ sein muss um die „Großen“ zu ärgern und Ihnen zu zeigen was wirkliche „Größe“ ist.

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Ein kleiner Löwe, ganz groß !

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Denn „dort leben wir Phänomena aaaaaaaaaaal, und wir holń uns den Pokal“  !

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lebe als Löwe, jederzeit und überall, bis zum bitteren Ende !

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von Anders Noren.

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