Der Löwe rennt

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Der Löwe rennt, naja, eigentlich nicht wirklich, aber „Der Löwe joggt“ hört sich irgendwie beschissen an und deshalb rennt „der Löwe“ nun eben.
Zugegeben, mit rennen ist diese meist mit schmerzverzogenem Gesicht rumtrabende Fortbewegungsart die ich seid kurzem wieder einigermaßen regelmäßig ausführe nicht zu vergleichen aber ich bin zumindest schneller als die meisten Walker !
Nein !
Das ist nicht nur eine Behauptung !
Erst vor zwei Wochen habe ich zwei (auch nur ganz leicht angegraute) Walkerinnen überholt und diese These somit eindeutig belegt !

Begonnen hat die ganze Sache vor ca. 5 Jahren.
Damals war ich mit meiner damaligen Freundin und einem guten Kumpel am Bodensee und wurde eines Morgends von besagtem Kumpel überredet mit ihm rennen zu gehen. Ich wusste zwar dass ich nachdem ich im Alter von 15 Jahren aufgrund meiner Berufsausbildung dass Fussball spielen aufhören musste, keinerlei Sport mehr gemacht hatte, hätte aber aufgrund meiner sehr aktiven Kindheit und meinem körperlich anstrengendem Job schon erwartet dass ich zumindest 3-4 km ganz gut mitlaufen kann.
Pustekuchen, nach ca. 3km war ich stehend k.O. pfiff aus dem letzten Loch und überlegte kurz ob sich in meinem Körper während den 4 Jahren sportlicher Inaktivität vielleicht ein schlimme Art von Asthma breit gemacht hatte.
Es war ein Schock !
Wieder zurück vom Bodensee hatte ich mir fest vorgenommen mich wieder ein wenig häufiger sportlich zu betätigen und zumindest fürs erste, mal einigermaßen regelmäßig rennen zu gehen.
Was soll ich sagen, dass Internet ist geduldig, ich war unfassbar schwer beschäftigt, und so dauerte es dann schon noch ca. 5-6 Wochen bis ich es endlich schaffte, die sich seid dem Bodenseewochenende in meinem Warenkorb befindlichen „Rennschuhe“ zu bestellen.
Aber dann gings richtig los.
Ich überlegte mir wo ich laufen konnte (was als Dorfkind aufgrund der unzähligen Möglichkeiten sehr easy ist) und entschied mich für einen sehr genialen Waldweg welcher sehr gut lag, von der Länge der Strecke her variabel war, und dazu aus mehreren Kreisen bestand weshalb ich nicht denselben Weg hin und zurück laufen musste.
Die Strecke war super phänomenal, ich liebe es Musik zu hören, und nachdem ich die Streckenlänge in den ersten Wochen fast wöchentlich steigern konnte, hatte mich dass Rennen sehr schnell in seinen Bann gezogen.
Ich weiss, viele finden Rennen langweillig (dachte ich zu Beginn auch), aber für mich ist es einfach ein überragendes Gefühl, die Schritte, die Atmung, der Wald, die Musik, und wenn man als Extramotivation noch im Löwendress unterwegs ist, ist es sowieso nur noch schwer zu toppen.
Nach kürzester Zeit musste ich mich nicht mehr zwingen, sondern ging so ungefähr jeden dritten Tag sehr gerne und mit Freude auf meine dann feste 7km Stecke.
Oftmals habe ich mich richtig darauf gefreut und Wind und Wetter haben mich auch schon beim Fussball spielen noch nie gestört.
Im Winter war es teilweise ein wenig kritisch da der Weg natürlich nicht geräumt war und wenn ich jetzt darüber nachdenke war es ein kleines Weltwunder, dass ich mir dabei nie was gebrochen, gezerrt, oder gerissen habe.
In dieser Zeit gab es natürlich unzählige witzige und verwunderliche Begegnungen mit verschiedensten Menschen und auch Tieren ;D^^
Ich sah unzählige Rehe und Füchse, musste zweimal über einen Dachs springen (welcher plötzlich aus dem Unterholz kam und die Strecke querte) und rannte einmal vor einer kleinen Gruppe von Wildschweinen weg, welche mich zwar nicht direkt verfolgte, mir aber durch ihre abgegebenen Geräusche eindeutig zu sagen versuchten dass ich hier nichts zu suchen hatte und mir damit auch gehörige Angst eingejagten.
Bei den Begegnungen mit Menschen blieb mir nur eine Begegnung mit dem Ortsansässigen Förster in Erinnerung, welcher ca. 2 Minuten langsam mit dem Auto neben mir herfuhr, dann besagtes Auto schräg vor mir auf den Weg parkte um ihn mir zu versperren und als ich stehen blieb Ausstieg, um mir einen Vortrag darüber zu halten dass er mich leicht mit einem Wildschwein oder anderen Tier (möchte ich auch hoffen, vielleicht ein Löwe oder wenigstens eine Gazelle) verwechseln könne und ich mir doch bitte Lichter kaufen solle damit er mich nicht aus versehen eines Tages abknallt.
Ausgestattet mir 6 LED Blinkstreifen von einem bekannten deutschen Discounter ging ich dann ca. zwei Jahre (von denen die LED´s einen Monat überlebten) auf dieser Stecke alle 2-3 Tage Rennen.
Mein persönliches Highlight in dieser Zeit:
Einmal ist mir mein Schlüsselbund an welchem so ungefähr alle Schlüssel hingen die damals für mich wichtig waren beim laufen, Moment:
laufen ?!?!?
Warum ist mir dieses Wort nicht früher eingefallen ?!?!
Verdammt nochmal, naja, der Löwe „läuft“ dann eben ab jetzt.
Jedenfalls ist mir mein Schlüsselbund aus der Hose gefallen, und wenn man die Musik so wie ich immer auf volle Power hat, hört man dass „Fallgeräusch“ nicht und als ich dann nach meinen 7 Kilometern am Auto ankam war ich im ersten Moment schon gut schockiert.
Nach kurzem Schockphase setzte mein atemberaubender Verstand wieder ein und nach kurzem überlegen machte ich mich schnellstmöglich auf die Suche nach dem Schlüsselbund (was auch unausweichlich ist wenn man so schlau ist wie ich und auch den Ersatzautoschlüssel am Schlüsselbund trägt) welchen ich aufgrund fast schon unbeschreiblichen Glückes sogar tatsächlich nach ca. 45 Minütiger Suche wieder fand.
Man sollte meinen dass ich seid diesem Tag mit meinen Schlüsseln vorsichtiger umgehe.
Ich tue es nicht !
Anscheinend war die Suche und der Ärger zu kurz um einen bleibenden Lerneffekt zu erzielen ;D^^

Sei´s drum…..

Nach diesen ca. zwei Jahren und mit Wiedereintritt ins Schülerleben, musste das Hobby Laufen erstmal auf Eis gelegt werden, da mich die Schule so unglaublich einspannte dass es zeitlich einfach nicht möglich war außerhalb der Ferien noch anderweitig „Lernzeit“ mit „Laufzeit“ zu tauschen.
Klar, klingt für den Leser nach einer 0815 Standardausrede, aber ist es wirklich nicht, ich würde wirklich lieber schreiben „Die Schule war easy und ich hatte soviel Freizeit dass ich 7mal die Woche 2 Stunden laufen gehen konnte“, aber ich kann es nicht. Ich muss eben schreiben „ich war so dumm dass ich soviel lernen musste dass ich nur noch in den Ferien laufen gehen konnte“….. ;D ^^
Nach diesen zwei Jahren Pause hatte ich weiterhin viel um die Ohren.
Wiedereinstieg ins Berufsleben, Wohnungssuche, Umzug, einen Blog ins Leben rufen ;D usw., deshalb schaffte ich es nur langsam und äußerst schleppend wieder in einen Rythmus zu kommen, dieser Rythmus sah seid Mitte 2015 ungefähr so aus dass ich ein- bis zweimal im Monat laufen war.

Vor kurzem hat mich ein Kumpel welcher Gleichzeitig mein Nachbar ist gefragt, ob ich mit ihm laufen gehen will und da ich Zeit hatte und Bock mal wieder zu laufen hab ich kurzerhand „Ja“ gesagt und ihm verdanke ich es dass der Rennrythmus in den letzten Monaten wieder auf ca. einmal pro Woche gesteigert wurde.

Nach unserer letzten gemeinsamen Session, 8km, hat er die Idee bei einem Marathon mitzumachen an mich herangetragen und irgendwie finde ich die Idee sehr genial.
Welcher Marathon, welche Strecke, ob überhaupt und wann muss noch besprochen werden, aber stand jetzt, habe ich extreme Motivation bei sowas zu starten.
Natürlich muss ich dann versuchen meine Strecke langsam zu steigern und mich langsam aber sicher vorbereiten.
Aber genau das macht die ganze Sache ja irgendwie noch interessanter und motiviert zusätzlich.

So, dass war eine kleine Einführung für das Thema „Der Löwe rennt“, ob ich wirklich bei einem Marathon antrete, was ich in Zukunft so alles beim laufen erlebe, und weitere meiner Gedanken zum Thema „Laufen“ folgen hier.
Und deshalb:

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renne als Löwe, jederzeit und überall, bis zum bitteren Ende !

von Anders Noren.

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